Akkorde: Deutschland zeig Dein Gesicht

Musiker und C*r*na

Wir Musiker scheinen in dieser neuen Normalität unseren Platz gefunden zu haben: Wir geben online - und Hauskonzerte, spielen vor Autos, die Stars der Branche spenden Millionen $ für die gute Sache, wir erkären uns solidarisch mit Opfern und/oder Helden der Krise. Das kommt gut an und steigert vielleicht sogar die Beliebtheit.

 

Die Sache hat nur einen Haken. Die Allerwenigsten von uns können sich gutgemeinte Charity Projekte leisten. Im Gegenteil, wir sind diejenigen, die auf "Wohltätigkeit" angewiesen sind, da wir seit fast einem halben Jahr keine Gagen mehr erhalten haben. Das Berufsverbot für Live Musiker wird in einer Art Salamitaktik immer wieder verlängert, so dass von einer Perspektive keine Rede mehr sein kann. Erst hieß es, ab September 20 finden wieder Konzerte statt, dann ab Oktober, nun redet man schon gar nicht mehr vom laufenden Jahr.

Die Soforthilfe übrigens , die uns als "Soloselbstständigen" bereitgestellt wurde, greift nicht, da sie zum größten Teil nur für Betriebsausgaben vorgesehen ist. Wie aber Miete, Essen und andere Posten bezahlt werden sollen, bleibt unser Problem.

Die bittere Wahrheit ist, dass wir Musiker (wie auch Schauspieler, Künstler, Artisten etc.) zu Bittstellern degradiert wurden und nun ganz am Ende der Nahrungskette stehen. Nicht zu vergessen die Ton- und Bühnentechniker und Caterer, ohne die wir gar nicht auftreten könnten.

Ein Satz zur unfassbaren Arroganz in der Wahrnehmung des Narrativs "Systemrelevanz": Stellen Sie sich bitte vor, es gäbe ab morgen keine CDs, kein Spotify, Apple Music, kein Radio mehr ! Keine Musik mehr im Alltag, keine Note, noch nicht mal ein schlechter Werbejingle, einfach nix !! Man vergisst völlig, daß diese Medien und Dienste erst durch Musiker entstehen.

Ab jetzt rede ich für mich:

Das Erschreckende ist, mit welcher Lethargie und Bereitwilligkeit viele (nicht alle!) meiner geschätzten Kolleginnen und Kollegen die Auflösung ihres Berufsstandes hinnehmen.  Auch die großen Konzertagenturen scheinen wenig Interesse zu haben, den Betrieb schnellstmöglich wieder aufzunehmen, in welcher Form auch immer.

Ist es allein die Angst vor einem Virus oder etwa doch die Hoffnung der Veranstalter auf eine Neuinterpretation des Begriffes "Konzert" ?

Eine Live Band ist nämlich teuer und bedeutet hohen technischen und musikalischen Aufwand. Live Musik beinhaltet auch immer ein gewisses Risiko, das macht sie eben aus. Bekommen wir jetzt noch mehr Halb- und Vollplayback Acts ? Noch mehr Fake Music ?

Ich bin befremdet von meiner Branche: Von Musikern und Künstlern ging - so habe ich es zumindest in Erinnerung - immer auch Kritik und Protest aus. Davon ist kaum noch etwas zu spüren. Die meisten scheinen sich wegzuducken und sich dem Szenario, welches uns in einer beispiellosen Art aufgezwungen wird, zu unterwerfen.

Einige lassen sich sogar noch einspannen für fragwürdige  Aktionen nach dem Motto: #wir bleiben zu Hause oder #wir halten Abstand. Wo ist denn da mal ein Hinterfragen der als alternativlos propagierten C*r*na Politik ?

Etablierte Musiker lassen sich - maskiert - dazu hinreissen, Andersdenkende auf unverantwortliche und heuchlerische Art und Weise zu diffamieren und auszugrenzen.

 

Diese Politik beraubt uns der Kunst, der Musik, der Kultur, des Zusammenseins, des Feierns, sie raubt uns den Beruf, für den wir so hart gearbeitet haben. Den vielen Fans wird ein Konzertereignis vorenthalten, auf das sie lange hingefiebert haben und das ihnen Kraft und Freude gibt. Wie unmündige Kinder werden sie nach Hause geschickt und dürfen nicht mehr selbst entscheiden, welche vermeintlichen "Risiken" sie eingehen. Diese Politik beraubt uns damit unserer Grundrechte !

Die "black lives matter" Demos mit Hunderttausenden Teilnehmern sollten eigentlich den letzten Skeptiker davon überzeugt haben, dass selbst Massenveranstaltungen nicht zu  der (ständig) prognostizierten Katastrophe führen.

BLM wurde sogar medial gefeiert, hier misst man ganz offensichtlich mit zweierlei Mass. 

Wir haben ein Recht darauf, unseren Beruf auszuüben ! Er gefährdet niemanden. Genauso wenig wie eine Autofahrt. 

Ich habe keine Angst vor Viren, ich habe Angst vor Menschen und Gesetzen, die uns die Freiheit und Selbstbestimmung nehmen. 

Ich wünsche uns Mut und Kreativität und vor allen Dingen - Haltung ! Ohne die ist Unterhaltung nämlich wenig wert. Das wusste schon Udo Jürgens.

Alex Olivari, Juli 2020

Text: Deutschland zeig Dein Gesicht

A&O-Ton 2020